Photovoltaik ohne Eigenkapital: die Rechnung hinter dem Pachtmodell

Wer 2026 eine Solaranlage aufs Dach setzen will, bekommt vom Nachbarn den gleichen Ratschlag wie vor fünf Jahren: 15.000 Euro Eigenkapital hinlegen, dann läuft die Sache 20 Jahre lang. Was viele nicht wissen: Es gibt inzwischen einen zweiten Weg, der ohne Anfangsinvestition auskommt. Contracting-Modelle, also die Miete oder Pacht einer Photovoltaikanlage, sind seit 2024 im deutschen Markt breit angekommen und werden auch von regional aufgestellten Fachbetrieben zunehmend angeboten. Für den Anlagenbetreiber bedeutet das: kein Kredit, keine Anzahlung, keine plötzlichen Reparaturkosten. Dafür eine monatliche Rate, die je nach Anlagengröße zwischen 80 und 250 Euro liegt.

Die Frage ist, ob sich das lohnt. Rechnerisch ist die Antwort komplex. Der klassische Kauf einer 10-kWp-Anlage kostet 2026 zwischen 15.000 und 18.000 Euro und amortisiert sich bei einem Eigenverbrauch von 40 Prozent in etwa neun bis elf Jahren. Bei einem Contracting-Modell zahlt der Kunde über 20 Jahre gerechnet oft deutlich mehr, weil der Contractor eine Rendite-Marge einrechnet, meist zwischen 4 und 6 Prozent effektiv. Für Haushalte ohne Eigenkapital oder mit anderen Investitionsprioritäten kann sich das trotzdem rechnen.

Ein Photovoltaik-Fachbetrieb aus Ostwestfalen-Lippe erklärt in einem Beratungsgespräch die konkreten Unterschiede zwischen den Modellen. Bei reinem Contracting bleibt die Anlage im Eigentum des Anbieters. Bei einem Kauf mit Ratenfinanzierung geht das Eigentum sofort auf den Kunden über. Und bei Pacht-Kauf-Modellen wird die Anlage nach einer festen Laufzeit für einen symbolischen Betrag übernommen. Die steuerlichen und rechtlichen Auswirkungen sind bei allen drei Varianten unterschiedlich, was im Vorfeld sauber kalkuliert werden sollte.

Wo Contracting seine Stärken ausspielt

Für Betriebe mit knapper Liquidität ist Contracting oft die einzige Möglichkeit, überhaupt in Photovoltaik zu investieren. Ein Handwerksbetrieb in Ostwestfalen-Lippe, der 60.000 Euro für eine 50-kWp-Anlage aufbringen müsste, kann diese Summe meist besser in Werkzeug, Fahrzeuge oder Ausbildungsplätze stecken. Der Contractor übernimmt die komplette Investition und liefert dem Betrieb Strom zu einem festen Preis, der oft 30 bis 50 Prozent unter dem Netzstromtarif liegt. Wartung, Reparatur und eventuelle Modultausche sind in der Regel Bestandteil des Vertrags.

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Für Privathaushalte ist die Rechnung weniger klar. Wer über 15 Jahre in der gleichen Immobilie wohnen bleibt und Eigenkapital hat, fährt beim Kauf besser. Wer ohnehin einen Umzug in fünf Jahren plant, kann von einem Contracting-Modell profitieren, wenn dort ein Sonderkündigungsrecht im Verkaufsfall vorgesehen ist. Nicht jeder Anbieter räumt diese Option ein, hier lohnt ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen.

Was oft im Kleingedruckten steht

Contracting-Verträge sind meistens 15 bis 20 Jahre lang. Wer während dieser Zeit das Haus verkauft oder eine größere Anlage möchte, sollte sich vorher genau ansehen, welche Klauseln für diese Fälle gelten. Manche Anbieter erlauben eine Übertragung des Vertrags auf den Nachfolge-Eigentümer, andere verlangen eine Ablösesumme, die bei 60 bis 80 Prozent der Restlaufzeit-Miete liegen kann. Beim Immobilienverkauf ist ein bestehender Contracting-Vertrag nicht immer ein Vorteil, weil der Käufer die vertragliche Bindung mit übernehmen muss.

Ein weiterer Punkt ist die Frage der Speichererweiterung. Wer heute mit einer reinen Contracting-Anlage startet und in fünf Jahren einen Batteriespeicher ergänzen möchte, muss den Contractor mit einbeziehen. Die Kombination aus geliefertem Strom und selbst gepuffertem Strom ist technisch machbar, vertraglich aber komplex. Bei Kauf-Modellen entfällt diese Koordinationsarbeit vollständig.

Und schließlich die Frage der Bonität. Nicht jeder Interessent bekommt ein Contracting-Angebot. Die Anbieter prüfen die Zahlungsfähigkeit über 20 Jahre und lehnen bei niedrigem Einkommen oder unsicherer Beschäftigung häufig ab. Für Rentner mit ausreichender Rente ist Contracting oft einfacher zu bekommen als eine Bankfinanzierung, weil die Anlage selbst als Sicherheit dient. Für junge Familien mit variablem Einkommen kann die Prüfung dagegen streng ausfallen.

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Zahlen aus einem realen Vergleichsfall

Ein Vergleich für ein Einfamilienhaus in Ostwestfalen mit typischem Verbrauch von 4.500 Kilowattstunden zeigt die Größenordnung. Beim klassischen Kauf einer 10-kWp-Anlage für 16.000 Euro ergibt sich über 20 Jahre eine Nettoersparnis von rund 25.000 Euro nach Abzug aller Betriebskosten. Bei einem Contracting-Modell mit monatlicher Miete von 130 Euro über 20 Jahre zahlt der Kunde 31.200 Euro Gesamtsumme, bekommt aber im Gegenzug Wartung, Reparaturen und einen garantierten Strompreis. Die Nettoersparnis liegt hier bei rund 12.000 Euro, also weniger als die Hälfte des Kaufmodells.

Für den Kunden bleibt die Frage: Sind die eingesparten 15.000 Euro Eigenkapital anderweitig besser investiert? Wer die Summe in einen ETF-Sparplan mit 5 Prozent Rendite steckt, hat nach 20 Jahren rund 40.000 Euro auf dem Konto und muss davon die höheren Contracting-Kosten gegenrechnen. Das Bild wird komplex und hängt stark von der individuellen Situation ab.

Was beim Vertragsabschluss wichtig ist

Wer sich für Contracting interessiert, sollte drei Punkte im Vertrag genau prüfen. Erstens die Kündigungsklauseln, insbesondere für den Fall Immobilienverkauf, Trennung oder Insolvenz. Zweitens die Preisanpassungsklauseln, weil manche Verträge eine jährliche Steigerung von 2 bis 3 Prozent vorsehen, andere sind fest. Drittens die Frage der Anlagenübernahme am Ende der Laufzeit, also ob und zu welchem Preis der Kunde die Anlage in sein Eigentum übernehmen kann.

Ein zusätzlicher Tipp aus der Praxis: Immer mindestens zwei bis drei Angebote einholen und die monatlichen Raten in Kombination mit den Vertragslaufzeiten vergleichen. Der günstigste monatliche Betrag ist nicht automatisch das beste Angebot, wenn die Laufzeit dafür länger ist oder wichtige Leistungen ausgenommen sind. Ein Fachbetrieb, der neben eigenen Kauf-Angeboten auch Contracting-Modelle vermittelt, kann beide Wege realistisch gegenüberstellen und ist seriöser als reine Contracting-Verkäufer, die nur ein Produkt anbieten.

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